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Wie aus einer Panne ein Drama wird

Wie aus einer Panne ein Drama wird

„Wie konnten wir es so weit kommen lassen?“

Diese Frage entsteht immer mal wieder, wenn wir entsetzt vor einem Drama stehen und uns fragen, wie dies aus einer kleinen Panne entstehen konnte. Wenn mir so etwas in Trainings begegnet, dann habe ich viele Tipps parat. Es ist allerdings eine ganz andere Sache, wenn es mir selbst passiert. Denn die Tipps helfen zwar, doch nicht zu hundert Prozent. Ein kleiner oder mittelgroßer Stachel bleibt hier und da.

Entsetzen über Vertrauensentzug

Ich bin ein schusseliger Mensch. Mir passieren ständig Pannen. Scherzhaft sage ich auch gerne mal, dass Sie das Fettnäpfchen auf den Schrank stellen können und ich werde trotzdem rein treten. Ich tue Menschen manchmal weh. Eben wegen dieser Pannen. Doch nie mit Absicht. Natürlich bin ich kein durch und durch ausschließlich guter Mensch. Das ist wahrscheinlich niemand. Doch in meinem Wertesystem fehlt das Kapitel „anderen mit Absicht weh tun“ komplett.

In den letzten vier Jahren ist es mir zwei Mal passiert, dass mir jemand von heute auf Morgen das Vertrauen entzogen hat. Wegen einer Panne. Wegen einer Gedankenlosigkeit meinerseits. Vorher war ich für beide Damen die tollste und beste Person auf Erden. Wurde schon fast glorifiziert, was definitiv nicht der Realität entsprach, meiner kleinen narzisstischen Seele aber gut tat. Doch dann passierte eine Panne und ich war von heute auf Morgen jemand, dem die Damen alles mögliche Schlechte zugetraut haben. Was vorher undenkbar war, war auf einmal für diese beiden Realität.

Sprachlos

Ich gestehe, dass es mich sprachlos macht und maßlos verletzt, wenn mir jemand ins Gesicht sagt, dass er mir nicht glaubt. Mit anderen Worten, dass ich lügen würde. Es tut mir weh, wenn mir jemand sagt, dass ich mit Absicht eine Idee, ein Wort, einen Gedanken geklaut hätte, um daraus selbst Profit zu machen. Und damit zeige ich nur die Spitze des Eisbergs. Wobei „jemand“ das falsche Wort ist, denn beide Damen haben mir viel bedeutet. Genau deswegen tat es mir auch so weh. Doch wie konnte das passieren?

Natürlich liegt der ursprüngliche Grund tatsächlich in meiner Verantwortung. Bei der einen Dame habe ich etwas, was ihr lieb war, weggeschmissen. Aus Gedankenlosigkeit. Und bei der anderen Dame habe ich komplett einen vertraulich erzählten Inhalt vergessen. Dadurch ist mir nicht aufgefallen, dass ein anderer Kunde auf dieselbe Idee gekommen ist, somit stand „Ideenklau“ im Raum. Ich kann mich noch nicht einmal mehr erinnern, dass wir dieses Gespräch geführt haben. Das entsetzt mich genauso wie diese Dame. Nur mit dem Unterschied, dass ich genau weiß, dass es eine Panne war. Blöde Pannen. Unnötige Pannen. Pannen, die anderen weh getan haben.

Tausche Panne gegen Drama

Die zwei Lawinen, die nach den Pannen losgetreten wurden, habe ich nicht kommen sehen. Und es verletzt mich ungemein. Auf einmal wird mir Absicht unterstellt. Und aus diesem Blickwinkel heraus, glänzen auch andere Situationen in einem völlig anderen Licht. Die Einschätzung meiner Person wird von gut auf böse gedreht. Ich bin weder nur gut, noch nur böse. Das weiß mein Kopf. Mein Herz ist entsetzt über diese 180-Grad-Drehung. Und bevor ich das Entsetzen richtig verdaut habe, geht das Drama ja erst richtig los.

Ich kann es ja nicht wieder gut machen. Eine Panne kann ich nicht zurück nehmen. Eine Gedankenlosigkeit auch nicht. Was in meiner Macht steht: Entschuldigen, die Verantwortung übernehmen und eine gute Lösung für mein Gegenüber finden, falls es eine gibt. Habe ich alles gemacht. Reichte aber nicht. Weil es schon lange nicht mehr um Fakten geht, sondern um das Gefühl.

Wenn ich dir wichtig wäre, dann …

… hättest du gewusst, was mir lieb und teuer ist und hättest es nicht weggeworfen.

… hättest du nichts vergessen, was ich dir im Vertrauen erzählt habe.

… hättest du mir nicht weh getan.

Das blöde an der Situation ist, dass es nun tatsächlich kein Entkommen mehr gibt. Taten sprechen mehr als Worte? Die Taten habe ich geliefert, aber darum geht es ja nicht. Es geht um ein Gefühl. Ich habe diese zwei Damen bitter enttäuscht. Und das kann ich verstehen. Wären sie noch wegen der faktischen Dinge böse, würden mich wegen der Panne anbrüllen und ausrasten, hätte ich Verständnis. Doch durch den Vertrauensentzug, wird es ein Gefühlschaos, ein unüberwindbares Drama. Das kann ich nicht wieder reparieren.

Ungerecht

Und nun stehen zwei Parteien da. Beide fühlen sich ungerecht behandelt. Ich fühle mich verletzt, weil mir eine Panne als Sabotage ausgelegt wird und die Damen sind entsetzt, dass ich Ihnen „mit Absicht“ weh getan habe. Und noch viel entsetzter darüber, dass sie sich vermeintlich so arg in mir getäuscht haben.

Viele Gefühle. Großes Drama. Wegen einer Panne. Ernsthaft? Wie können Sie aus so einer Situation wieder aussteigen, wenn Sie selbst merken, dass Sie im Drama versinken. Vielleicht indem Sie sich überlegen, was für einem Menschen diese Panne passiert ist. Würde er / sie dies wirklich mit Absicht tun? Wenn Sie dies unterstellen, ist das Drama da. Und manchmal ist es sicherlich auch gerechtfertigt. Falls Sie aber tendenziell von dem Guten in diesem Menschen ausgehen, dann vertrauen Sie.

Wahrnehmung vs. Gefühl

Glauben Sie daran, dass dieser Mensch sich nicht von heute auf Morgen von einem Heiligen zum Teufel gewandelt hat. Wenn Sie dies schaffen, können Sie sich auf die Panne konzentrieren. Die dürfen Sie dann doof finden. Sie dürfen wütend sein, Wiedergutmachung wünschen, etc. Wenn nur die Panne im Rampenlicht steht, dann ist auch irgendwann alles wieder gut. Zweifeln Sie komplett an diesem Menschen, fühlen sich verraten und verkauft und färben alle schönen Erinnerungen in schwarz, dann gibt es kaum noch eine Chance für diese Beziehung. Das wäre schade.

Übernehmen Sie Verantwortung. Entweder indem Sie zu der Panne stehen, sich entschuldigen und aktiv nach Lösungen schauen. Oder indem Sie nur wegen einer Panne nicht gleich am Grundcharakter eines Menschen zweifeln.

Es wäre schade, wenn gute Beziehungen wegen so eines unnötigen Dramas gestört oder sogar ausgelöscht werden.

 

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Da bin ich ihrer Meinung. Es ist ein Verletztheitsgefühl, was ja auch berechtigt ist.
    Wenn ich die Person gut kenne, glaube ich ihr. Bei nicht so vertrauten Menschen höre ich auf meine Intuition.
    Das Drama beginnt, wenn wir unsere Verletztheit, ect. auf den Anderen drauflegen, damit ich den Schmerz nicht alleine nur fühlen muss.
    Es passieren im Leben auch Dinge, die wir manchmal aus Unwissenheit oder im Stress einfach falsch machen, Fehler machen.
    Mit Abstand kann ich selbst aus einem anderen Blickwinkel darauf schauen 🙂 Und daraus lernen, und mich fragen, wie würde ich reagieren?
    Liebe Grüße
    Sabine Krüger

  2. Auch ich bin ein schusseliger Mensch, der gerne mal andere (unabsichtlich) durch Gedankenlosigkeit verletzt und befand mich bereits in solchen Situationen – wenn auch nicht so extrem. Kann also dem geschriebenen nur zustimmen.
    Andererseits sollte man aufpassen, dass sich die eigene Schusseligkeit nicht als Ausrede für Fahrlässigkeit einschleicht.

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