skip to Main Content
Bekannt aus:
Ich bin mehr als meine Beine

Ich bin mehr als meine Beine

Schwerer als jemals zuvor

Ich habe

Das war mein Ziel. Ich habe gehört, dass einige Damen mit Ayurveda die Schmerzen vom Lipödem in den Beinen und Armen losgeworden sind. Da ich gerade ein Buch zum Thema Lipödem schreibe und einiges selbst austeste, habe ich mich auf meine persönliche Ayurveda-Reise begeben. Und war schon nach einem Tag tot unglücklich. Ich bin ein Freigeist und mag es, wenn ich mal um 5 Uhr morgens aus dem Bett springe und mal bis 10 Uhr noch im Bett liegen bleibe.

Geben Sie Ihrem Leben mehr Struktur

Nun meinte der Ayurveda-Arzt allerdings, dass es gut wäre, wenn ich mehr Struktur in mein Leben bringen würde. In meinem Körper wären viele Entzündungen und mit mehr Ruhe, und somit Struktur, würde ich die gesamte Situation entlasten. Großartige Idee. Ich war Feuer und Flamme und legte ein paar Tage später los. Morgens erst das eine Wasser kurz aufkochen, dann bis auf 40 Grad abkühlen, danach mit Zitrone und Honig trinken. Das andere Wasser mindestens 10 Minuten mit Ingwer kochen lassen, in Thermoskannen gießen und alle halbe Stunde ein paar Schlucke heißes Wasser trinken. 20 Minuten vor dem Essen diese Tabletten, aber nicht gleichzeitig mit den anderen Tabletten, die ich 10 Minuten davor nehmen darf. Mittags und Abends ab sofort zu ähnlichen Zeiten essen. Zu ähnlichen Zeiten aufstehen und ins Bett gehen. Struktur eben.

Was habe ich daraus gemacht?

Ich dumme Nuss habe mal wieder dem Perfektionisten in mir das Zepter in die Hand gegeben. Ich nahm jede Vorgabe mehr als genau und stellte mir für alles einen Wecker, um die Regeln auch ja einzuhalten. 10 Minuten nachdem das Wasser aufgekocht ist, klingelte der Wecker. 20 Minuten vor der nächsten Mahlzeit, klingelte mein Wecker. Alle 30 Minuten klingelte mein Wecker, damit ich mein heißes Wasser nicht vergass. Und natürlich klingelte auch der Wecker, wenn es Zeit wurde zu kochen. Ich verschmolz mit meinem Handy. Und jedes Mal wenn ich gerade etwas gedanklich in die Arbeit eingetaucht bin, riss mich der Klingelton wieder raus. Arbeit – Ayurveda – Arbeit – Ayurveda – Arbeit? – Ayurveda – Arbeit????????

So kann ich nicht leben!

Ja, das klingt verzweifelt und ich war es auch. Denn jede kreative Faser in mir sträubte sich gegen diesen Wecker. Aber ich wollte ja alles richtig machen. Wollte dem Ayurveda eine gute Chance geben. Es klingelte übrigens auch der Wecker, wenn es mal Zeit wurde für die Meditation. Und anstatt durch die Struktur ruhiger zu werden, wurde ich immer wütender. Und auch traurig. Ich habe allen Ernstes meinen Lebenspartner angesehen und gefragt: „Was ist an mir falsch, dass ich nicht so leben darf, wie ich bin?“ Woraufhin er mich erst einmal schnell in den Arm nahm.

Was für ein Drama. Selbstproduziert. Denn als ich 9 Tage später mit dem Arzt telefonierte meinte er: Legen Sie den Wecker weg. Das sind alles nur grobe Zeitangaben, damit Sie grob wissen, dass Sie regelmäßig trinken sollen und grob wissen, dass es besser wäre vor Mitternacht ins Bett zu gehen und nicht die Nacht zum Tag zu machen. Grob. Nicht exakt.

Voll rein in die Kommunikationsfalle

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, muss ich breit grinsen. Ich dachte echt, das „böse“ Ayurveda will mich ändern und meine Persönlichkeit. Und ich dürfe nicht mehr sein, wie ich bin. Und ich müsste mich also krampfhaft ändern, nur um dann schmerzfreie Beine zu bekommen … Puh. Wenn Sie bei meinem Podcast-Interview mit Mathias Fischedick rein hören, dann werden Sie genau diese Panik noch in mir spüren. Da er Mental-Trainer ist, habe ich dort neben vielen anderen Themen meine aktuelle Baustelle angesprochen und gefragt, wie ich am besten damit klar kommen könnte.

Sein Tipp war: Neugierde. Eine Technik, die ich selbst häufig empfehle und sehr gerne anwende. Ich war nur so blockiert von meinem schwarz-weiß-Denken – entweder SO oder gar nicht und SO gibt es Isabel dann nicht mehr -, dass ich das nicht hinbekam.

Warum einfach, wenn es auch schwer geht …

Nun werde ich es mit dem Ayurveda weiter ausprobieren, aber VIEL entspannter. Viiiiiieeeeel entspannter. Die Künstlerin in mir lässt wieder eine Fünf gerade sein. Wie kann es sein, dass ich so hektisch, panisch, wütend, traurig und zornig wurde, obwohl ich doch alle Techniken kenne, um entspannter durchs Leben zu kommen? Weil ich nicht perfekt bin.

Und ich habe wieder viel daraus gelernt. Das nächste Mal rufe ich sofort beim Arzt an, wenn ich mich unwohl fühle. Sofort fragen. Mund aufmachen. Und das W-Wort befreien: Warum? Hätte ich das gemacht, dann hätte mir der Arzt sofort sagen können, dass mein Perfektionismus beim Ayurveda völlig fehl am Platz ist. Ich hätte mir einige stressige Tage und so manche Träne erspart. Hätte, hätte … Fahrradkette.

Wir sind auf der Welt um zu Lernen und beim nächsten Mal … rufe ich eher an … OH!!!!! Es wird Zeit für mein heißes Wasser …

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top